Ausrichtung

Anfang jeder christlichen Gemeinde ist gemeinsamer Glaube. Eine kleine Gruppe von Frauen und Männern fing vor rund 120 Jahren im Homburger Ländchen eine Gemeindearbeit an. Durch ihr Bibelstudium waren sie zu der Überzeugung gelangt, dass Glaube und Taufe zusammengehören. Auf das Bekenntnis ihres Glaubens hin ließen sie sich taufen und begannen mit regelmäßigen Gottesdiensten, weil für ihre Überzeugung in der Evangelischen Kirche damals kein Platz war.

Basis ihrer Zusammenkünfte war das gemeinsame Lesen der Bibel. Es wuchs eine Gemeinde, in der mündig gelebter Glaube und Freiheit im Denken wichtig war. In verschiedenen Formen versuchen wir auch heute Bibeltexte in ihrem Zusammenhang zu verstehen und für uns fruchtbar zu machen.

Christlicher Glaube ist zwar eine ganz persönliche Sache, aber er lässt sich gemeinsam besser leben. Dazu möchten wir einladen. Die Herausforderungen unserer Zeit machen die Frage, woher der Einzelne seine Kraft und seinen Sinn, aber auch seine Maßstäbe bezieht, wichtiger denn je. Allerdings wollen wir uns nicht mit allzu einfachen Antworten zufrieden geben. Nachfragen und Nachdenken sind erwünscht. Antworten, die gestern trugen, sind morgen vielleicht schon überholt. Darum sind und bleiben wir miteinander auf der Suche.

Evangelisch-Freikirchlich – so heißen unsere Gemeinden seit der Zeit des III. Reiches, weil sich in Deutschland Brüdergemeinden und Baptistengemeinden zu einem Gemeindebund vereinigten. In jener Zeit schloss sich auch unsere 1882 gegründete "Christengemeinde Niederbierenbach-Mühlen-Wülfringhausen" diesem Gemeindebund an. 1964 wurden daraus zwei selbständige Gemeinden in Mühlen und Wiehl, die auch jetzt noch durch gemeinsam durchgeführte Veranstaltungen miteinander verbunden sind. Die Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinden in Deutschland haben ca. 80.000 Mitglieder. Weltweit gehören sie zur Baptist World Alliance, deren Gemeinden in über 200 Ländern aktiv sind.

Freiheit in Verantwortung ist ein zentrales Merkmal unseres Selbstverständnisses. Vom Staat und der Kirchensteuer unabhängig bringen sich unsere Mitglieder durchaus in der Gestaltung der Gesellschaft ein. Mit den anderen Gemeinden und Kirchen in Wiehl arbeiten wir gut und vertrauensvoll zusammen. Längst ist unsere Taufpraxis – nur Menschen, die sich selbst für den Glauben und die Taufe entschieden haben, zu taufen, kein Grund mehr für Feindseligkeiten und staatliche Verfolgung, wie es die Gründergeneration erlebt hat. Wir finanzieren unser Gemeindeleben durch freiwillige Beiträge der Mitglieder und alle Angelegenheiten des Gemeindelebens werden gemeinsam und demokratisch entschieden. Die Mitverantwortung jedes Einzelnen ist gefragt. 

Gemeindeleben bedeutet uns mehr als nur sonntäglicher Gottesdienstbesuch. In verschiedenen Gruppen – von Kindergottesdienst über Jungschar und Kleingruppenarbeit bis hin zu Chören, diakonischer Arbeit und Eine-Welt-Arbeitskreis mit Verkaufsstand u.v.a.m. – versuchen wir, unserem Glauben Gestalt zu geben. Dabei kann jede/r mitmachen. Unseren Kindern bringen wir Glauben in kindgemäßer Weise nahe und wollen ihnen in unserer Gemeinde einen Lern- und Lebensraum geben. Wenn Eltern dies wünschen, segnen wir sie und ihre Babies im Gottesdienst. Dass insbesondere Kinder und Jugendliche Anfragen an kirchliche Formen haben, verstehen wir. Für ihre Wünsche und Ideen gibt es bei uns Raum.

Hauptaspekte unserer Gemeindearbeit sind für uns heute:
- die Ermutigung zur eigenverantwortlichen Nachfolge Jesu
- die Integration verschiedener Glaubens- und Lebensstile
- das Studium biblischer Texte und deren Konsequenzen für den Alltag
- die Einladung an Menschen in unserem Lebensumfeld, den Glauben an Gott für sich neu zu entdecken
- die Solidarität miteinander und mit Menschen und Gruppen in der Gesellschaft